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15.04.2019 Es ist ganz einfach cool, bei der Musi zu sein

Es war im April 1958, als sieben musikbegeisterte junge Männer im Möslberger Gasthaus Donaubauer die Marktkapelle Wegscheid, damals noch als Möslberger Blaskapelle, gegründet haben. Die Marktkapelle Wegscheid konnte damit im vergangenen Jahr ihr 60jähriges Gründungsjubiläum feiern, mit einem fulminanten Kirchenkonzert zu St. Kathrein hat sie dieses runde Jubiläum dann auch zum Jahresende gebührend gefeiert. Bei der Jahreshauptversammlung im Vereinslokal Escherich wurde jetzt auf dieses Jubiläumsjahr und auch auf dieses Kirchenkonzert zurückgeblendet.
Kapellmeisterin Christina Ulirsch hatte dazu zur Erinnerung an dieses sehr gut besuchte Konzert zwei musikalische Mitschnitte mitgebracht. Zum einen war dies das instrumentale „Hallelujah“ von Leonhard Cohen, das, so versicherte 2. Bürgermeister Lothar Venus beim ihm als damaligen Konzertbesucher regelrecht „Gänsehautfeeling“ verursacht habe. Und zum anderen war es ein Mitschnitt eines einfühlsamen Stückes der Wipplinger Alphornbläser mit Michael und Thomas Jellbauer sowie mit Martin Bosch, die, so die Kapellmeisterin dankend, den Musikern der Marktkapelle bei dem Non-Stop-Konzert zwischendurch mit ihren Auftritten jeweils eine kurze Verschnaufpause verschafft haben. Sie und auch Vorstand Thomas Kainberger dankten aber auch Pfarrer Heinrich Anzeneder für die Moderation bei diesem Konzert.
In seiner Rückblende auf das vergangene Jahr blendete Vorsitzender Thomas Kainberger aber auch noch auf einige andere der insgesamt 30 Auftritte der Kapelle zurück. Dabei erinnerte er an die Einsätze bei den Faschingsumzügen in Büchlberg, Wildenranna und Germannsberg, an die zwei Starkbierfeste im Gasthaus Haiböck als Mitveranstalter mit der FFW Wegscheid, an den verkaufsoffenen Sonntag in Untergriesbach mit einem Sternenzug und einem anschließenden Standkonzert sowie an die beiden Florianifeiern in Wildenranna und Wegscheid. Die Marktkapelle hatte zudem beim Wegscheider Frühlingsmarkt aufgespielt, beim 60. Bezirksmusikfest im oberösterreichischen Kollerschlag spielte sie als einzige bayerische Blaskapelle mit auf, sie sorgte beim Sonnwendfeier des Kolpingvereins für die musikalische Umrahmung und sie führte bei den Untergriesbacher Festtagen einen Zug musikalisch an. So wie bei allen kirchlichen Anlässen sorgten die Wegscheider Musikanten auch beim Pfarrfest unentgeltlich für die Musik und mit einem Gedenkgottesdienst mit anschließendem Kuchenverkauf gedachten die Musiker ihrer beider verstorbenen Kapellmeister Hans Donaubauer und Hans Hoffmann. Eine 60 Jahre währende Tradition hat bereits das Neujahrsanblasen zwischen Weihnachten und Neujahr, mit diesem klang das vergangene Jubiläumsjahr schließlich wieder aus. Für alle diese und vielen weiteren Auftritten hatte sich die Kapelle, so berichtete Thomas Kainberger auch noch, bei insgesamt 42 Proben, davon zwei Marschproben, musikalisch vorbereitet.
Großer Wert werde in der Marktkapelle auch auf den menschlichen Zusammenhalt und damit auf das gesellige Miteinander gelegt, das versicherte Thomas Kainberger in seiner Rückblende. Dies belegte er dann auch mit den monatlichen Gemeinschaftsabenden jeweils nach einer verkürzten Probe, mit dem Grillfest bei ihm zu Hause sowie mit dem Jahresausflug nach Kloster Weltenburg, Regensburg und mit dem Besuch des fürstlichen Schlosses von Thurn und Taxis, bei dem überraschender Weise sogar Fürstin Gloria von Thurn und Taxis auf die in einheitlichen T-Shirts aufgetretenen Musiker aufmerksam wurde.
Diese T-Shirts mit dem Emblem der Marktkapelle, so erinnerte Thomas Kainberger, waren für ein einheitliches Auftreten der Musiker bei freizeitlichen Veranstaltungen angeschafft worden, aber auch für die offiziellen Auftritte waren die Musikerinnen und Musiker mit neuen Trachten neu eingekleidet worden. Dabei dankte der Vorsitzende vor allem Musikerin Bianca Bogner, die sich dabei sehr engagiert hatte. Abschließend dankte Thomas Kainberger allen, die innerhalb der derzeit mit 41 aktiven Musikern starken Kapelle Funktionen übernommen haben, insbesondere seinem Stellvertreter Thomas Jellbauer, den beiden Dirigenten Christina Ulirsch und Martin Fenzl, Notenwart Michael Jellbauer, den Stabführerinnen Karolina Schuster und Sonja Lang, der Schatzmeisterin Rosa Rosenberger, der Schriftführerin Johanna Jellbauer für deren besonderen Einsatz innerhalb der Kapelle. Sein besonderer Dank galt aber auch den derzeit 84 fördernden Mitgliedern dieses Musikvereins, die, so Thomas Kainberger, mit ihren Beiträgen und Spenden die vielen Kosten für die teuren Notenkäufe sowie für den teuren Unterhalt des Proberaums den finanziellen Grundstock geben.
Über diese finanzielle Lage der Marktkapelle berichtete Schatzmeisterin Rosa Rosenberger, die dabei ein gesundes finanzielles Polster belegen konnte, das, so stellte sie dabei aber auch klar, dringend notwendig sei angesichts der vielen laufenden Ausgaben der Kapelle für Noteneinkäufe, Versicherungen, für den Unterhalt des Proberaumes oder auch für neue Trachten, für die im vergangenen Jahr immerhin über 6200 Euro ausgegeben werden mussten. Aus dieser Kasse meldete Schlagzeuger Johannes Kössler auch gleich eine weitere teure Ausgabe an: Die Kapelle bräuchte dringend eine neue große Trommel, als unüberhörbares, Takt angebendes und damit wichtiges Instrument. Von Maxi Seibold, der zusammen mit Norbert Lang ihre Kasse geprüft hatte, bekam Rosa Rosenberger für ihre gewissenhafte Kassenführung großes Lob.
Im Mittelpunkt dieser Jahreshauptversammlung, zu der alle Musikerinnen und Musiker in Tracht angetreten waren, stand auch noch eine Reihe von Ehrungen. Dabei überreichte 2. Bürgermeister Lothar Venus Jana Niederl und Lukas Kasberger die Urkunden für die bestandenen Musikerleistungsabzeichen in Bronze und Christina Ulirsch bekam die Urkunde für das Leistungsabzeichen in Silber. Mit Ehrennadeln des Musikbundes für Ober- und Niederbayern wurden auch Thomas Kainberger für 25 Jahre und Norbert Lang für 15 Jahre als aktive Musiker der Marktkapelle Wegscheid geehrt.
In seiner Vorschau auf das laufende Jahr kündigte Vorsitzender Thomas Kainberger einige Auftritte bei großen Vereinsfesten an, ein ganz besonderes Augenmerk aber werde die Blaskapelle auf die Nachwuchswerbung legen. Dazu, so Kainberger, sei in Zusammenarbeit mit der Volksschule und der Kreismusikschule die Einführung einer Bläserklasse geplant, damit mit jungen Musikern der Fortbestand der Marktkapelle für die nächsten Jahrzehnte gesichert werden könne.
„Ihr seid die klingenden Botschafter des Marktes Wegscheid weit über dessen Grenzen hinaus“, so lobte 2. Bürgermeister Lothar Venus die Musiker bei seinem Grußwort. So manches Fest oder so manche Feier sei ohne die musikalische Umrahmung der Marktkapelle gar nicht mehr denkbar, stellte er weiter fest und deshalb danke er auch den Musikerinnen und Musikern für deren Einsätze. Angesichts des Geschehens im musikalischen und geselligen Bereich der Marktkapelle stellte er abschließend auch noch fest: „Es ist ganz einfach cool, bei der Musi zu sein.


07.01.2019 Marktkapelle Wegscheid überbringt seit 60 Jahren musikalisch die Neujahrsgrüße

Im Frühjahr 1958 ist die Marktkapelle Wegscheid von sieben begeisterten und leidenschaftlichen Musikern damals noch als „Möslberger Blaskapelle“ gegründet worden und bereits ein dreiviertel Jahr später hat sie in sehr kleiner Runde zum ersten Mal zwischen Heilig Abend und Neujahr beim Gang von Haus zu Haus die musikalischen Neujahrsgrüße überbracht. Willi Stangl aus Meßnerschlag war einer dieser sieben Gründungsmusiker und er ist heute der der einzige noch lebende dieser Gründungsväter. Und er war auch einer der Vieren neben den Brüdern Hans und Ludwig Donaubauer sowie Hermann Nebauer, die sich damals im Jahr 1958 erstmals als Mitglieder der Möslberger Blaskapelle nach den Weihnachtstagen aufmachten, um musikalisch die Neujahrsgrüße zu überbringen. Und so ganz nebenbei haben sie damals – ohne dass sie es damals auch nur erahnen konnten – auch noch diese Jahrzehnte lange Tradition des Neujahranblasens begründet.
Deren „Einsatzgebiet“ war damals noch ausgehend vom Startpunkt des Möslberger Gasthauses Donaubauer, in dem diese Blaskapelle gegründet worden war, der Bereich um Möslberg und Krennerhäuser, also ein Bereich mit weit verstreuten Häusern. Der Schnee lag damals fast schon meterhoch, das Wetter ungemütlich und eisig kalt, so erinnert sich Willi Stangl noch ganz genau, und so stapften sie mühsam und bald auch tiefdurchfroren von Haus zu Haus. Noten zum Spielen der einzelnen Stücke an den Haustüren hatten sie noch keine, das war aber auch kein Problem. So spielten sie halt die Stücke, die sie bei den Bällen auf den kleinen Wirtshausbühnen auch spielten. Denn diese vier Musiker spielten neben der neuen Blasmusik damals bereits seit längerem auch in einer gut eingespielten Tanzkapelle zusammen.
„Für die Leute“, so erinnert sich Willi Stangl noch gerne, „waren wir damals in diesen tristen Wintertagen eine willkommene Abwechslung und auch eine kleine Sensation, als wir plötzlich vor ihren Haustüren standen und ihnen musikalisch die Neujahrsgrüße überbrachten. Niemand hatte damit gerechnet.“ Und so wurden die Vier dann auch immer wieder in die wärmenden Stuben eingeladen. Dort konnten sie sich dann wieder aufwärmen oder auch stärken. Denn dabei gab es dann so manches Rankerl Speck und dazu wurden einige Knollen Zwiebeln geschält und in Scheiben geschnitten sowie duftendes Bauernbrot beigegeben. Hinuntergespült wurden diese willkommenen Köstlichkeiten mit so mancher Halbe Bier und mit einem abschließenden Stamperl zur scheinbar besseren Verdauung. „Dabei ließen wir uns natürlich immer wieder auch nicht lumpen“, so stellt Willi Stangl klar, „und es gab vor dem Weitermarsch noch die eine oder andere musikalische Zugabe von uns.“
Drei oder vier Tage, genau weiß es Willi Stangl heute nicht mehr, seien sie damals beim ersten Mal beim Neujahranblasen unterwegs gewesen. Überall wurden sie damals freundlich und auch freudig überrascht aufgenommen. Die persönlichen Einnahmen für den Einzelnen waren nicht groß und standen in keinem Verhältnis zu den Strapazen. Etwa fünf bis sechs Mark konnten am Abend eines jeden Tages auf die Einzelnen aufgeteilt werden, „was damals ja noch viel Geld war“, stellte Willi Stangl fest.
Aus dieser ersten Erfahrung wurde in den folgenden Jahren eine sich wiederholende Tradition, die bald auf den Markt Wegscheid übertragen wurde. Denn dort wurde mit der Verlegung des Proberaums der Blaskapelle vom früheren Gasthaus Donaubauer in das Wegscheider Gasthaus Mühlberger aus der ursprünglichen „Blaskapelle Möslberg“ bald still und heimlich auch die „Marktkapelle Wegscheid“. Und so sind die Musikerinnen und Musiker dieser Blaskapelle heuer im 60. Jubiläumsjahr bereits zum 61. Mal unterwegs, um den Wegscheidern die musikalischen Neujahrsgrüße zu überbringen. 61 Mal deshalb, weil diese Tradition in den vergangenen Jahren nicht ein einziges Mal unterbrochen wurde, da konnte das Wetter auch noch so schlecht sein.
Staunen tun die Wegscheider schon lange nicht mehr, wenn ihnen die Musiker vor den Haustüren aufspielen, für viele ist es längst eine traditionelle Erinnerung daran, dass nun das alte Jahr zu Ende geht. Staunen tut in Wegscheid immer wieder nur noch eine Gruppe und das sind die vielen Urlauber, die den Jahreswechsel in Wegscheid verbringen, und die aus ihren Heimatorten diese lieb gewordene Tradition des Neujahranblasens nicht kennen. Und die dann staunend dankbar für die zünftigen Klänge die Wegscheider Musikanten diese immer wieder auch noch ein paar Meter auf ihrem weiten Weg durch die vielen Straßen des gewachsenen Marktes begleiten.
Gewaltig dankbar ist auch Willi Stangl den musikalischen Enkeln der Gründungsväter der Marktkapelle, das betont er ausdrücklich, weil sie diese von ihnen gegründete Tradition über 60 Jahre hinweg aufrecht erhalten haben. Er ist es auch, den die Musikerinnen und Musiker nach vier strapaziösen Tagen immer wieder gerne als eine ihrer letzten Station in Meßnerschlag zu Hause besuchen, um auch ihm als letzten Gründungsvater dieser Wegscheider Tradition des Neujahranblasens musikalisch die besten Wünsche für ein gesundes neues Jahr zu überbringen.

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